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Jugendbibliothek als etwas anderes Jugendzentrum?

Die Jugendbibliothek als Treffpunkt? Mit Programmarbeit? Oder ist das nicht unsere Aufgabe, auch da nicht, wo keine anderen Angebote dieser Art vorhanden sind?

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Kategorien:Debatte, Jugendzentrum
  1. L. Hildebrandt
    23. April 2010 um 09:11

    Die JuBi muss mehr sein als ein Raum voller Medien. Dazu gehört natürlich auch Programmarbeit.
    Die JuBi will und kann aber ein JUZ nicht ersetzen. Unser JUZ vor Ort leistet sehr intensive Programmarbeit (Workshops, outdoor-Aktivitäten, Sportfestivals, Musik, Mittagstisch, Jobhilfe, Tanzkurse…). Als JuBi kann man hier eine Kooperation anstreben und mit dem JUZ oder anderen Einrichtungen, die das Leben der Jugendlichen berühren, zusammenarbeiten. Vor allem kleine JuBis sind auf solche Zusammenarbeit angewiesen.
    Bibliotheken sollen Türen öffnen – nicht nur zu Büchern. Meiner Meinung nach auch zu Kultur und da spielt Programmarbeit eine wichtige Rolle. Ob sich die JuBi nur auf Aktivitäten rund ums Lesen (bzw. Mediennutzung allgemein) kümmert (Autorenbegegnungen, Book-Slams, Manga-Workshops…) oder ihr Angebot erweitert, sei jeder Einrichtung selbst überlassen. Aber Jugendlichen finden es auch toll, die „öde“ Bibliothek mal in einem anderen Licht zu sehen (statt Bücherbasar mal Teilnahme an einem Wohltätigkeits-Lauf?).

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  2. C. Nötzelmann
    26. April 2010 um 12:23

    Auch ich denke, dass Kooperation hier der ausschlagebende Faktor ist – oftmals ist die Förderung kommunaler Projekte in diesem Zusammenhang auch ausdrücklich an übergreifende Kooperationen geknüpft, so dass eine Aufgabenteilung mit beispielsweise Jugendzentren – die ebenfalls mit ihren Ressourcen haushalten müssen – sich bestens anbietet.

    Zur Programmarbeit: sollten Jugendbibliotheken interessierte, lesende Jugendliche bestmöglich fördern und eher ein deren Bedürfnissen entsprechendes Angebot vorhalten, oder neue – häufig nicht so pflegeleichte Jugendliche – zum Bibliotheksbesuch motivieren und damit die klassischen „Leseratten“ (ja, das Wort ist furchtbar) eventuell verprellen?

    Die Frage nach der Aufgabe und dem Wesen einer Bibliothek beantworten sich praxiserprobte Bibliothekarinnen und Bibliothekare je nachdem, welches Bibliotheksbild sie in der eigenen Ausbildung genossen haben und welche Erfahrungen sie mit Jugendlichen in der Bibliothek gemacht haben…

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  3. F. Nieting
    10. Mai 2010 um 10:51

    Eine Jugendbibliothek soll auf jeden Fall ein Treffpunkt sein – dafür muss natürlich der Raum dementsprechend gemütlich eingerichtet sein und Rückzugsmöglichkeiten bieten. Gerade, wenn eine Bibliothek zentral liegt, bietet sie sich ja als kostenloser Treffpunkt an. Allerdings muss es von anderen Kunden und Mitarbeitern eine gewisse Toleranz bzgl. Lautstärke und Interaktion geben.

    Programmarbeit ist in Zeiten schmaler Kassen natürlich immer ein heißes Thema. Wenn Jugendzentren vorhanden sind, bieten sie meist ein gutes Programm an und sind im Stadtteil präsent – zusätzlich ist die Bibliothek als Veranstaltungsort eher „uncool“. Graffiti und Bibliothek bilden nicht umbedingt eine Verknüpfung im Kopf von Jugendlichen.

    Meine Meinung: lieber Kernkompetenzen (Medien, Spiele, Räumlichkeiten etc) ausbauen und dort die Jugendlichen abholen, als sich im Mittelfeld (und -maß) der Veranstaltungsarbeit präsentieren. Es scheitert ja nicht nur am Geld, sondern oft auch an Mitarbeitern, die sich so etwas zutrauen und dafür freigestellt werden.

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  4. G. Bretschneider
    27. Mai 2010 um 15:38

    Das mit den Kernkompetenzen entspricht auch meiner Meinung. Wir Bibliothekare können nicht Eventmanager, Schauspieler und Entertainer mit der gleichen Profession sein. Wir können aber Einiges miteinander verbinden, um unsere Medien zeitgemäß zu vermarkten. Programmarbeit ja, aber nur zur gezielten Medienvermittlung. Z.B. Spieletag: Ein Profi erklärt unseren Lesern, wie die Spiele (Gesellschaftsspiele) gespielt werden. Das war bei uns im Herbst eine super Veranstaltung. Jugendliche spielen gern in der Bibliothek. Ja, natürlich wird es da auch etwas lauter, aber wir kommen so auch gut mit ihnen ins Gespräch. Abgeteilte Sitzecken, wo in kleineren Gruppen gespielt und erzählt werden kann, gehören in jeden Jugendbereich.

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  5. M. Elschner
    31. Mai 2010 um 12:00

    Ich erinnere mich an einen sehr interessanten Vortrag beim Leipziger Kongress im März, der von einer deutschen Bibliothekarin gehalten wurde. Sie erzählte von ihrer dreijährigen Arbeit in einer Jugendbibliothek in Amerika, den anfänglichen Schwierigkeiten in der sozial schwachen Gegend und ihrem Erfolg, den sie v.a. ihrer Hingabe gegenüber den jungen Lesern und Benutzern, ihrem Engagement (und vielen Überstunden an den Abenden) zu verdanken hatte.
    Sie hat Kinovorführungen gezeigt, eine Antiprom mit den Teens gefeiert, Grillpartys organisiert, Discos veranstaltet etc. Sie hat diese sogar eingespannt, Geld auf Kuchenbasaren zu sammeln, um all diese Events bezahlen zu können. (Abgesehen von einigen Sponsoren, die finanzielle Unterstützung gegeben haben.)

    Sie hatte am Anfang Angst, dass die Teenager Alkohol oder gar Drogen bei den Veranstaltungen konsumieren, gewalttätig werden könnten, usw. Aber all das ist nicht aufgetreten, weil die Atmosphäre und die Tatsache, dass sich jemand so um die Jugendlichen gesorgt hat, sie einfach glücklich machte und schnell an die Bibliothek binden konnte.

    Das ist einfach eine sehr wichtige Erfahrung, denke ich: Jugendliche nicht als Bedrohung zu sehen oder als Nervensägen o.Ä, die man irgendwie in den Griff kriegen muss (oder sie am liebsten gar nicht in der Bibliothek haben möchte).
    Und v.a. ist es wichtig, sich von den starren Verhaltensmustern (auch was die Erwerbung betrifft) zu lösen. Games, Mangas, DVDs und BluRays sollten nicht generell NICHT gekauft werden, weil „immerhin sind wir eine BÜCHERei und die Kinder sollen hier was lernen“.
    In meinen Veranstaltungen habe ich gemerkt, dass v.a. ältere Kinder/ Jugendliche immer noch sehr viel Spaß mit spielerischen Elementen haben. Wenn man den Anspruch hat, ihnen auf Teufel komm raus etwas beizubringen (und wenn es die Definition von bibliotheksspezifischen Begriffen wie „Signatur“ ist), ist es oft schwierig, überhaupt einen Draht zu ihnen zu bekommen.
    Die ganze Art, mit Jugendlichen umzugehen, sollte vielleicht im Allgemeinen einfach lockerer aussehen. Z.B.: Dann wissen sie eben nicht sofort beim ersten Bibliotheksbesuch, wo die Mathe-Lernhilfen für die 9. Klasse stehen. Wenn sie aber generell ein gutes Gefühl mit uns verbinden, kommen sie immer wieder und wir haben die Möglichkeit, sie ihnen bei Gelegenheit zu zeigen und zu erklären, weil sie sich vielleicht sogar GERN mit uns unterhalten 😉

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  1. 20. Dezember 2011 um 15:23

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