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Ergebnisse des Workshops „Benachteiligte Kinder- und Jugendliche in Bibliotheken – am Beispiel von Epinay-sur-Seine/Frankreich und Frankfurt am Main/Deutschland“ von Monika Mertens

Bild

Nach dem Bildervortrag über die hervorragende Arbeit der Mediatheken in Epinay-sur-Seine mit der Zielgruppe bildungsfernen Familien, Kinder und Jugendliche, setzten wir uns in Gruppen zusammen, um Ideen für Kooperationspartner, Projekte und Veranstaltungen aber auch für mögliche Stolpersteine bei der Arbeit mit der Zielgruppe zu sammeln und diskutieren.

Hier für alle, die sich für das Thema interessieren und/oder die beim Workshop mitgemacht haben und nochmal nachlesen möchten, die Ergebnisse aus den Gruppen:

Die Powerpoint-Präsentation über die Arbeit der Mediatheken in Epinay-sur-Seine finden sie hier: Präsentation_EpinaysurSeine

Mögliche Kooperationspartner bei der Arbeit mit bildungsfernen Familien, Kindern und Jugendlichen:

  • Ämter (Jugend-, Arbeitsamt, etc.)
  • Vereine („Frauen helfen Frauen“, Migrantenvereine, „Die Tafel“, interkulturelle Vereine)
  • Jugendzentren, Hausaufgabenhilfe, Kinderhäuser
  • Schulen (z.B. AGs), bei Klassen Vorteil, dass man alle Kinder „im Boot“ hat (inklusiver Ansatz)), Kitas, Sozialarbeiter/innen der Schule
  • VHS (Deutschkurse für Migrant/innen)
  • Andere Sprachkursanbieter (Caritas, Kulturvereine, AWO)
  • Kulturelle Zentren oder Theater
  • Kommunale Integrationszentren
  • Kinderheime, Wohngruppen
  • Hippy- und Rucksack-Mütter
  • Sozial- und Bildungspartner (Bsp. „Soziale Stadt“, Bayern: Bildungslokale)

Ideen für Projekte, Aktionen, Veranstaltungen mit und für bildungsferne Famlien, Kinder und Jugendliche:

  • Sprechstunde/n des Sozialamtes, Arbeitsamtes oder der Jugendhilfe in der Bibliothek
  • Bücherfahrrad (mit dem Bibliotheksmitarbeiter/innen an die Orte fahren und dort Medien ausleihen und vorlesen, an denen sich die Zielgruppe aufhält
  • Ausgewogenes Angebot für alle unterschiedlichen Nationalitäten vor Ort
  • Mehrsprachige Autorenlesungen, Auftritt von Musiker/innen und Künstler/innen anderer Nationen
  • Bsp. für Familienveranstaltung: Erwachsene treffen sich zum gemeinsamen Zeitunglesen, Kinder können Bücher anschauen oder bekommen etwas vorgelesen.
  • „Vorlesezeit“ für Kinder der Tafelnutzer/innen, während Eltern warten
  • Zweisprachige Vorlesepat/innen
  • Multiplikator/innen ansprechen
  • Gruppen aufsuchen (Hebammen, Krabbelgruppen etc.)
  • Projekte, in denen man die Kompetenzen der Zielgruppe einbindet (z.B. Kindern erklären anderen Kindern die Bibliothek; Filme, Fotostories)
  • Wichtig: Bedarfsermittlung für den zielgruppenorientierten Bestandsaufbau nutzen
  • Familiensonntag für Menschen aus unterschiedlichen Nationen als offenes Angebot
  • Veranstaltung oder Projekt mit internationalen Kinderliedern
  • „Peer to peer“ – Jugendliche machen Veranstaltung für Jugendliche.
  • „Runder Tisch“ mit Kooperationspartnern der Stadt, die mit der Zielgruppe arbeiten (vor allem, wenn man sich erst in der Planungsphase für die Arbeit mit der Zielgruppe befindet!)
  • Angebote für Sprachfördergruppen aus Kitas
  • „Fachexperten“ bzw. Personen aus anderen Kulturkreisen im Personal
  • Medien – bzw. Vorlese- oder Kreativangebot im Freibad (z.B. in den Sommerferien, wenn in der Bibliothek nicht so viel los ist)
  • Bestand: Leichtes Lesen
  • Besuche in Familien der Zielgruppe als Mentorenprogramm mit Ehrenamtlichen (wurde „heiß“ diskutiert und nur mit der Option „auf Wunsch“ befürwortet)
  • Geschulte Ehrenamtliche helfen SuS mit Problemen beim Lesen
  • Internationale Projekte wie z.B. Sister Libraries (IFLA-Projekt)
  • Vorlesefrühstück (regelmäßig) für die ganze Familie (gemischt, inklusiver Ansatz!)

Beim Vorlesefrühstück lesen Bibliotheksmitarbeiter/innen aber auch die Eltern den Kindern in ganz kleinen Gruppen die Lieblingsbücher der Kinder vor.

Last but not least dieStolpersteine“, die den Teilnehmer/innen des Workshops einfielen, und auf die man dringend beim Aufbau eines Angebots für die Zielgruppe bildungsferner Familien achten sollte. Zu den Stolpersteinen gab es großen Gesprächs- und Diskussionsbedarf, der leider im Workshop aufgrund der begrenzten Zeit nur zum ganz kleinen Teil befriedigt werden konnte. Hier die Stolpersteine im einzelnen:

  • Finanzierung!
  • Genaue Überlegung: Welche Zielgruppe möchte man ansprechen? Zwischen Migrant/innen und bildungsfernem Publikum unterscheiden.
  • Prioritäten setzen!!!
  • Eine Bedarfsermittlung für die Stadt oder das Viertel, in dem die Bibliothek liegt hilft dabei, wirklich die Bedürfnisse der Zielgruppe kennenzulernen. Am besten wird die Bedarfsermittlung gemeinsam mit anderen Institutionen, die die gleiche Zielgruppe bedienen gemacht, oder es gibt sie dort eventuell schon?
  • Könnte es Zielgruppenkonflikte geben? (Lautstärke, Medienangebot?)
  • Bei neuen Angeboten ohne zusätzliches Personal muss man zwangsläufig woanders Abstriche machen. Was bedeutet das ggf. für andere Zielgruppen, die evtl. bisher im Mittelpunkt der Arbeit standen?
  • Wie reagiert das Team auf mögliche Veränderungen? (s. Diskussion über jugendliche Benutzer/innen: „Wollen wir die überhaupt?“)
  • Wo könnten Ressourcen (vor allem Zeit) eingespart werden (z.B. bei der Einarbeitung der Medien o.ä.) um wieder Kapazitäten freizuhaben?
  • Sind wir / die Mitarbeiterinnen der Bibliothek eigentlich kompetent genug für die Arbeit mit der Zielgruppe?? Hier wurde vor allem auf die große Bedeutung der Vernetzung mit anderen Institutionen, die schon mit der Zielgruppe arbeiten und über Erfahrungen verfügen, hingewiesen!
  • Bedenken: Wie wird unsere Bibliothek von Außenstehenden, evtl. der Zielgruppe selbst wahrgenommen?
  • Wie erreicht man die Zielgruppe? (da man weiß, dass es nicht über die herkömmliche Werbung wie Handzettel oder Pressemitteilungen möglich ist). Welche anderen Möglichkeiten gibt es, die Programme und Angebote der Bibliothek sichtbar zu machen?
  • Problem sprachliche Verständigung
  • Interkulturelle Missverständnisse
  • Wichtig: Arbeit mit der Zielgruppe ist vor allem Vertrauensarbeit
  • Erfolge bei der Arbeit mit der Zielgruppen werden sich eventuell nicht wie sonst durch eine Erhöhung der Ausleihzahlen manifestieren. Wie vertritt man seine Arbeit dennoch vor den Geldgebern?

 

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