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Kommentar zu einem Kommentar über den Bibliothekartag oder Warum lassen wir uns so leicht beeindrucken?

[Kommentare in diesem Blog geben natürlich immer nur die Meinung des/der Unterzeichnenden und nicht der Fachkommission wieder.]

Die umtriebige Kollegin Susanne Brandt hat mir in ihrem – sehr empfehlenswerten und praxisnahen – Blog mal wieder aus der Seele gesprochen:

“Wann also, so musste man sich bei dem Kongress mehr als einmal fragen, setzt endlich jene Entspanntheit ein, mit der digitale Chancen neben den vielen anderen Chancen menschlicher Orientierung und Entwicklung wertzuschätzen und wahrzunehmen sind, aber nicht dermaßen überbewertet zur Rechtfertigung von Bibliotheken herangezogen werden müssen , wie es z.T. immer noch geschieht.” [Quelle ]

Das “immer noch” kann man dabei momentan gern durch “immer mehr” ersetzen. Es ist eine wohl richtige Beobachtung, dass nur wenige Berufe ein so geringes Selbstwertgefühl zu haben scheinen, wie der bibliothekarische. Irgendwie resultiert daraus der Gefühl, man verpasse gerade wieder eine wichtige Entwicklung. Weshalb man dann ganz besonders betonen muss, dass man ja im Trend der Zeit liegt. Und der gegenwärtige Megatrend ist “Digital-”.

Für die Wissenschaftlichen Bibliotheken ist die Digitalisierung mit Sicherheit “the big thing”. Aber gilt das auch für die Öffentlichen Bibliotheken und speziell für uns, die wir im Kinder- und Jugendbereich arbeiten? Ich würde mal behaupten, dass der Umgang mit digitalen Medien (DVDs, Games, Onleihe) und Publikationskanälen inzwischen Alltag ist. Natürlich könnte noch die ein oder andere Gamingstation in Jugendbereichen entstehen, aber das würde den Charakter unserer Einrichtungen nicht grundlegend ändern.

Wir waren in Nordenham z.B. sehr früh dran mit der Nutzung sozialer Plattformen, aber ich käme nie im Traum auf die Idee, darin den Schwerpunkt meiner Arbeit zu sehen. Wenn unser Leseclub seine Rezensionen in einem extra eingerichteten Blog veröffentlicht, so ist das eine nette Sache, aber im Kern geht es doch um ein Beziehungsangebot, das wir den Jugendlichen machen und das von ihnen auch gerne angenommen wird.

Auch Susanne sieht sehr richtig die Gefahr, dass wir vor lauter Angst “antiquiert” zu wirken, unsere Existenz vornehmlich durch digitale Angebote rechtfertigen. Dabei ist es überhaupt nicht gesagt, ob wir sie noch lange werden vorhalten können. Hier kann uns die Entwicklung (Streamingdienste) einen großen Strich durch die Rechnung machen!

Noch eine Bemerkung am Rande. Wenn es eines Beweises bedurfte, dass man eine Sache nur möglichst mit einem englischen Begriff versehen muss, damit sie “hip” wird (siehe “Storytelling”) dann ist der Hype um “makerspace” ein gutes Beispiel. Man kann ja nun nicht gerade behaupten, dass der “Laborgedanke” besonders neu wäre. Nichts gegen Kreativwerkstätten, gerade in Bibliotheken, aber “makerspace” hat auch einen bösen Beigeschmack, den von prekären Scheinselbstständigen, die sich nicht einmal ein eigenes Büro leisten können. Und ist es nicht eine Zumutung, ständig etwas “machen”, immer “kreativ” sein zu müssen und dabei  auch noch “stark” (“Kultur macht stark”)?

Jochen Dudeck  

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Kategorien:Uncategorized
  1. 18. Juni 2014 um 20:00

    Lieber Jochen, als Mitglieder Zukunftswerkstatt (ZW) und gleichzeitig eine um Leseförderung bemühte Kollegin einer kleinen ÖB möchte ich auf Deinen Blogbeitrag antworten. Entschuldige, dabei komme ich um ein paar Anglizismen nicht herum 😉
    Der Anspruch der ZW ist, innovative Aktionen zu arrangieren und sichtbar zu machen. Internationale Gäste einzuladen, zum Mitmachen anzuregen ist dabei Programm und Anspruch des Vereins. Ich persönlich habe dabei die Besucher der Galerie weitaus aktiver erlebt, als bei den Gremiensitzungen und Vorträgen.
    Makerspaces sind eher mit offenen Werkstätten für Do-it-yourself Projekte. Das was Du als prekäre Scheinselbständige und Beigeschmack formulierst, ist eher eine Co-Work-Area. Das haben wir auf dem Bibliothekartag nicht gezeigt.
    Gerade das, was die Kolleginnen aus den USA in Bremen vorgestellt haben ist ermutigend: Warum nicht Bibliothek anders denken und Menschen mit unterschiedlichen Angeboten zu uns locken? Neue Zielgruppen akquirieren – die Bibliothek nur mit Lesen und nicht mit spielerischem Lernen assoziieren. Das ist immer ein Ansatz unserer Leseförderung in den Bibliotheken bis heute gewesen.
    Der Multitouch-Tisch aus Delft enthält beispielsweise eine Software, die ähnlich wie bei Antolin, die Kids nach der Lektüre befragt und zur kreativen Umsetzung (Malen) animiert. Das ist um Längen ansprechender als unser deutsches Pendant. Ich sehe keinen Widerspruch zwischen Leseförderung und digitalen Angeboten. Es geht immer um Geschichten: erfinden – niederzuschreiben – still oder laut lesen – erzählen (Storytelling ;-)) oder einfach nur zuhören. Es geht um den Zauber und die Kraft von Sprache, die Denkprozesse auslöst oder zu einer kreativen oder gar künstlerischen Umsetzung anregt. Mir sind da persönlich alle Wege recht.
    Kritik höre ich bei den Bündnissen für Bildung heraus, was ich gut nachvollziehen kann: Ich war von Anfang an sehr erstaunt, dass bei der bundesweiten Initiative „Lesen macht stark“ – direkt die Stiftung Digitale Chancen als Projektpartner hinzugezogen wurde. Hätten die Kinder- und Jugendexperten des dbv nicht genug Know-How und Stimme gehabt, passgenauere Projekte anzuschieben? Was auch immer die Gründe waren – nicht einbeziehen eigener Gremien, mangelndes Selbstbewusstsein oder das Schielen auf vermeintlich potentere Partner – Vieles ist von Anfang an nicht richtig gelaufen. Eingebunden in Ehrenamtsprojekte – Du weißt, bei dem Thema bin ich Expertin – bedeutet dies zusätzliche Umsetzungshürden. Ganz zu schweigen von der Diskussion ums Ehrenamt überhaupt. Sach- und Fortbildungsmittel, die ein Vielfaches an professionellem Planen, Koordinieren, Begleiten erfordern, als sie einbringen, dazu noch bürokratischer Papierkram: das ist alles suboptimal. Zusätzlich sind die vom dbv vorgestellten Projekte in vielen Medienzentren bundesweitlängst Standard. Bei einem Gespräch hier vor Ort mit dem Medienzentrum bekam ich zu hören: das machen wir doch schon längst. Nicht dezidiert mit uns als Kooperationspartner, aber in der freien und schulischen Jugendarbeit. Warum das Rad zweimal erfinden? Und selbst beim niederschwelligem und eher analog aufgestelltem Angebot des Borromäusvereins „Ich bin ein Leseheld“ – ist es hier vor Ort noch nicht gelungen, ein Projekt ans Laufen zu bekommen, obwohl wir genügend ehrenamtliche Personen und Kooperationspartner hätten.
    Wenn ich auch Vieles bei den Projekten kritisiere, so erkenne ich doch an, dass dbv und bv sich Überhaupt auf den Weg gemacht haben, solche Projekte anzuschieben und Mittel einzuwerben. Nur muss dass, was fern ab am grünen Tisch geplant und konzipiert wurde, erst vor Ort passend gemacht werden, um zu gelingen.

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  2. Jochen
    19. Juni 2014 um 11:14

    Liebe Anne, danke für Deine Rückmeldung! Bei den „prekären Selbstständigen“ hatte ich tatsächlich Co-working-Areas im Kopf, da ist mir wohl die „Tastatur durchgegangen“…
    Grundsätzlich fände ich es sehr gut, wenn wir Räumlichkeiten anbieten könnten, in denen Menschen auf die unterschiedlichste Weise kreativ tätig werden können. Und wahrscheinlich ist „makerspace“ ein besseres „branding“ als „Kreativwerkstatt“, was einen ja unweigerlich an Töpfern denken lässt. Ich hätte trotzdem zwei Einwände.
    Der erste ist die Frage nach dem Menschenbild, das wir hier mit transportieren. Es ist das Leitbild eines in jeder Lebensphase lernbereiten, rundum kreativen, sich selbst entfaltenden, sein eigenes Potential umfassend verwirklichenden Menschen. Ist das nicht eine unglaubliche Überforderung? Ich würde mal behaupten, dass die meisten Leute zu uns kommen, weil sie Stoff fürs Abhängen möchten. Wir (die ÖBs) sind in erster Linie Freizeit- und Kultureinrichtungen, wobei ich zur „Kultur“ auch Games und Sitcoms zähle. Der dezidierte Bildungsbereich, sprich Schnittstelle Bibliothek/Schule etc ist eine andere Nummer.
    Der zweite Einwand geht in eine andere Richtung. Wodurch verändern sich Institutionen? Was sind die Faktoren, die zu einem gelingenden Veränderungsprozess beitragen? Wie sollten Zukunftsmodelle aussehen, damit sie auch anschlussfähig sind? Das sind grundsätzliche strategische Fragen der Bibliotheksentwicklung, die man mal genauer bedenken müsste. Ich glaube nicht, dass es viel Sinn macht, wenn man immer neue pfiffige Ideen durchs Dorf treibt. Ein bisschen habe ich den Eindruck, dass ZW etwas zu sehr in technische Gimmicks verliebt ist.
    Bibliotheken würden sich sehr schnell verändern, wenn sie wirklich mit ihrem Sozialraum eng kommunizieren würden (wir betonen immer die Bedeutung des Networking, das ja nicht heißt, dass man in endlosen Sitzungen hockt, sondern dass man lernt in den Schuhen anderer zu laufen) und sich für andere Berufe öffnen würden.
    Noch eine Nebenbemerkung zum „Storytelling“. Das hat in us-amerikanischen Ohren schon deshalb einen anderen Klang, weil Storytelling dort zur Breitenkultur gehört. Hierzulande hat sich das Geschichtenerzählen nicht als Kleinkunstform etablieren können, trotz mehrerer von der Akademie Remscheid organisierter Erzählfestivals. Ich habe in den vergangenen Jahren bei Fortbildungen immer ohne viel Erfolg gepredigt, dass KiJU-Bibls sich unbedingt Grundtechniken des mündlichen Erzählens aneignen sollten. Das wäre schon mal ein guter analoger Start…
    Soweit, herzlichst
    Jochen
    PS Das Fass „Lesen macht stark“ möchte ich jetzt nicht aufmachen.

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  3. 19. Juni 2014 um 13:38

    Lieber Jochen, es sind durchaus interdisziplinäre Angebote, die ZW und auch dbv / bv mit ihren Aktionen und Projekten zeigen. Die Bemerkung zu Technikverliebtheit greift zu kurz. Die ZW ist mehr als Gimmicks mit Technik – es geht um andere Austauschformen wie bei dem open idea Workout – oder bei dem bereits erwähnten Multitouch-Tisch, der Menschen und Möglichkeiten zusammen bringt. Er sieht ja nicht nur aus wie ein kleiner Billardtisch, sondern bringt auf vorzügliche Weise Digitales, Analoges und Menschen zusammen. Sowas wünsche ich mir ganz besonders in unseren ländlich geprägten Bibliotheken und nicht nur in Großstädten. Es geht doch darum, Heimatkunde lebendig werden zu lassen: Anlässe für Erinnerungen und Erzählungen zu schaffen und gleichzeitig zu archivieren.
    Zu einem dynamischen Veränderungsprozess gehört das dazu.

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    • Jochen
      19. Juni 2014 um 17:08

      Liebe Anne, ich schätze die Arbeit und das ehrenamtliche Engagement der ZW sehr und ich sehe auch diesen Aspekt des – sehr notwendigen – fachlichen Austausches. Trotzdem habe ich einfach meine Zweifel, ob 3D-Drucker und noch ziemlich teure Anlagen wie der Multitouch-Tisch momentan die Bringer sind.
      Wenn es schon um Technik geht – und damit irgenmdwo auch um Makerspace – , ein Beispiel. Wir sind hier in N’ham nach wie vor die einzige Bibliothek, die ein lokales Netzwerk des „Haus(es) der kleinen Forscher“ moderiert. Die bundesweite Stiftung kümmert sich um die naturwissenschaftlich-technische Grundbildung in Kitas und Grundschüler und ist mit 232 Netzwerken und über 27 000 erreichten Einrichtungen fast flächendeckend tätig. Wir könnten uns hier gut einbringen, aber die meisten Kolleginnen & Kollegen haben noch nie was davon gehört…Wieder so eine analoge Baustelle!

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  4. 19. Juni 2014 um 17:22

    …und weil viele Kolleginnen und Kollegen es noch nie gehört haben, muss es auf Kongressen und Tagungen gezeigt werden. Ein Forum für Best-Practice-Beispiele eben. Jede Bibl. kann doch für sich entscheiden und schauen, ob und was sie davon umsetzt. Man kann sich doch von den digitalen Angeboten – wie dem Multitouch – inspirieren lassen und es umgekehrt ggf. analog umzusetzen. Es ist ein gegenseitiges Befruchten von digitalen und analogen Möglichkeiten. Aber es setzt immer engagierte und begeisterte Kolleginnen und Kollegen vor Ort voraus. Solche, die Projekte oder Trends nicht mitbekommen oder einfach ignorieren, gibt es überall.

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  5. B. Herms
    20. Juni 2014 um 20:42

    „Der erste ist die Frage nach dem Menschenbild, das wir hier mit transportieren. Es ist das Leitbild eines in jeder Lebensphase lernbereiten, rundum kreativen, sich selbst entfaltenden, sein eigenes Potential umfassend verwirklichenden Menschen. Ist das nicht eine unglaubliche Überforderung?“

    Ist das nicht so, als würde man sagen, wir überfordern die Menschen, in dem wir ihnen hunderte Regalmeter Bücher anbieten und ihnen damit vermitteln, sie müssten die alle lesen?? Es handelt sich doch beim Makerspace lediglich um ein Angebot für Interessierte, denen man eine unkommerzielle Plattform zum Informieren und Ausprobieren bieten will.

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    • Jochen
      21. Juni 2014 um 10:11

      Leute, ich hab‘ nichts gegen makerspaces – ich hab da wohl einen Nerv getroffen – ich glaube nur nicht an das Konzept „Bibliothek als Kreativzentrum“. Ein Blick auf die aktuellen Sinus-Milieus ( http://www.vuma.de/typo3temp/pics/fc9c508211.jpg ) sollte da ernüchtern. Es sind nicht alle C12. Man hat schon vor 20 Jahren das klassische Konsum-Fernsehen für tot erklärt, weil jetzt demnächst alles interaktiv würde.
      Ansonsten: ja, wir haben digitale Baustellen, aber auch viele analoge…

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  6. Susanne Brandt
    1. Juli 2014 um 09:50

    Liebe Leute, nun will ich mich da doch nochmal einschalten, weil im Verlauf der Diskussion viele wichtige Aspekte angesprochen worden sind: Die m.E. entscheidende Aussage dazu hat Jochen so formuliert: „Bibliotheken würden sich sehr schnell verändern, wenn sie wirklich mit ihrem Sozialraum eng kommunizieren würden (wir betonen immer die Bedeutung des Networking, das ja nicht heißt, dass man in endlosen Sitzungen hockt, sondern dass man lernt in den Schuhen anderer zu laufen) und sich für andere Berufe öffnen würden.“ Das muss nun überhaupt nicht gegen Zukunftswerkstatt und digitale Baustellenarbeit sprechen (da sehe ich manches so wie Anne), stellt aber eben unmissverständlich die Frage der Prioritätensetzung. Sonst fürchte ich, dass an vielen Orten das passieren könnte, was ich 2006 bereits in den USA erlebt habe und was sicher auch eine große Schwachstelle von „Kultur macht stark“ ist: In den USA – wo wir uns an drei verschiedenen Orten als DBV-Expertengruppe die „Hands on“-Angebote (das waren wohl die Anfänge von dem, was man heute Makerspace nennt) in Kinder- und Jugendbibliotheken angeschaut haben, haben wir eine Menge Technik vorgeführt bekommen – aber keine Nutzer erlebt, die daran ein dauerhaftes Interesse zeigten und das Potential dieser Dinge wirklich nutzten – warum auch immer. Die digitalen Angebot dort waren schon 2006 nicht mehr „neu“, und die Faszination nach relativ kurzer Zeit verflogen bzw. nie richtig in ein Gemeinwesenkonzept eingebunden. Das lässt nun bei einer 10-tägigen Rundreise sicher keine repräsentativen Schlüsse zu, hat mich aber im Rückblick sehr ernüchtert. Eine „volle Bude“ haben wir in den USA dagegen immer dann erlebt, wenn eine Geschichtenerzählerin (und da gibt es unter den amerikanischen KollegInnen wirklich Künstlerinnen, die das im Studium professionell gelernt haben!) zum Zuhören und Mitmachen einlud. Ich weiß nicht, ob das heute immer noch so wäre – aber ich frage mich, warum nicht für die Gegenwart und Zukunft mit dem gleichen Enthusiasmus für die Professionalisierung der Erzählkunst an den bibliothekarischen Hochschulen geworben wird wie für die Professionalisierung im Einsatz digitaler Medien.
    Ich frage weiter: Brauchen Menschen vorrangig Makerspace in Bibliotheken oder brauchen sie nicht vielleicht noch mehr Bibliotheken, die die Aktivitäten in ihrem Umfeld und die Menschen dort wahrnehmen, wo sie im Alltag ihren Platz haben und sich genau dorthin auf den Weg machen? Ein gutes Beispiel dafür ist für mich die Fahrbücherei von Esslingen, die in Kooperation mit mobilen Klassenzimmern und außerschulischen Bildungspartnern ihren Fahrplan flexibler und bedarfsgerechter gestaltet, um dort präsent zu sein, wo es lange schon einen „Makerspace“ gibt: auf einem Bauernhof, in einer Gärtnerei oder wo auch immer handlungsorientiertes Lernen im Alltag stattfinden kann.
    Und wenn Frau Meinhardt im aktuellen BuB-Artikel über die Makerspace-Bewegung vermutet, dass es für deutsche Bibliotheken sehr ungewöhnlich sein dürfte, nach dem Modell eines „gärtnerischen“ Makerspace bewusst den Naturraum mit einzuschließen, dann denke ich an die vielen Sonnenblumen, die wir bereits vor vielen Jahren gezielt und konzeptionell begründet im Rahmen des Naturgeschichtenprojekts vor der Bibliothek in Ostfriesland ausgesät haben und freue mich an den vielen kleinen Dorfbüchereien in Mecklenburg-Vorpommern die bis heute im Sinne des Naturgeschichten-Projekts nach draußen gehen, um dort Verbindungen zu den durch Medien erworbenen Informationen handlungsorientiert und sinnlich vor der eigenen Haustür zu erfahren – eben weil genau diese Natur und diese Landschaft etwas mit ihrem Alltag zu tun hat. Nur werden sie ihr natürliches Lebensumfeld vermutlich nicht als „landwirtschaftlichen Makerspace“ bezeichnen, sondern schlicht und ergreifend als Wiese oder Getreidefeld.

    Kurzum: Neben der Zukunftswerkstatt könnte ein geschärfter Blick für das, was gegenwärtig bereits alles an Veränderungen möglich wäre (und das für jede Bibliotheksgröße!), aber aus unterschiedlichen Gründen einfach nicht genutzt und praktiziert wird, schon eine Menge in Bewegung bringen – wenn wir nicht zu viel Zeit damit verbringen, neue Namen für bislang ungenutzte Chancen zu erfinden.

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